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seit dem 04.03.2005
Peter Götz in Welchweiler zu Gast
Fritz Wentz aus Welchweiler

Der Kommunalpolitische Sprecher der CDU/CSU Bundestagsfraktion

Der Altenglaner CDU-Gemeindeverband hatte den Kommunalpolitischen Sprecher der CDU/CSU Bundestagsfraktion, Peter Götz, in Welchweiler zu Gast.

KPV Kreisvorsitzende Xaver Jung verwies auf die besondere Situation Welchweilers, die beispielhaft für die künftige Entwicklung sei. Die Reduzierung der Pendlerpauschale und die Absicht der Bundesregierung, die Wohnungsbauförderung zu streichen, würden die Lage verschlechtern. Jung befürchtete eine zunehmende Konkurrenz der Gemeinden um zahlungskräftige Einwohner.

Laut Ortsbürgermeister Reiner Emrich hätten die schlechte Arbeitsplatzsituation und die nicht einfache Erreichbarkeit sozialer Einrichtungen die Einwohnerzahl in den vergangenen Jahren in Welchweiler fast halbiert. Eine zunehmende Überalterung sei die Folge. Bedingungen wie sie bundesweit für das Jahr 2050 erwartet würden, ließen sich bereits heute in Welchweiler nachweisen. Nach Abzug der Umlagen an Kreis und Verbandsgemeinde sowie der Pflichtzahlungen blieben der Ortsgemeinde kaum noch Finanzmittel übrig, klagte Emrich. Dazu kämen Belastungen durch Altschulden, die von Projekten herrührten, welche zum Teil schon Jahrzehnte zurückliegen würden. Bürgermeister Klaus jung sieht die einzige Chance der Region im touristischen Sektor. Investitionen in den Bereich des Wochenendtourismus ergeben nur dann Sinn, wenn die Gäste anschließend  „auch ihr Geld in der Region lassen", so Klaus Jung.

Auf die allgemeine Forderung, der Staat müsse dem Verfall der Ortskerne entgegenwirken, verwies Peter Götz auf die Bemühungen im Bundestag, das Baugesetzbuch zu verbessern. Ständig neue Aufgaben und finanzielle Abschöpfung der Kommunen führten dazu, dass Gemeinden kaum noch investieren könnten. Götz forderte eine umfassende Reform der Gemeindefinanzierung, sowie eine Konzentration der Programme von Bund und Land auf solche bedürftigen Regionen. Auch die Gemeinden müssten wieder in die Lage versetzt werden; ihre Zukunft mit eigenen Mitteln zu gestalten.

Xaver jung resümierte, dass es mit dieser Veranstaltung gelungen sei, klar zu machen, dass die Probleme der Überalterung und deren Folgen für die Kommunen längst nicht mehr nur den Osten Deutschlands betreffen würden, sondern den Kreis Kusel längst erreicht hätten.

 

 

Bericht über die Ortsbesichtigung in Welchweiler (vom 29. Oktober 1949)

Welchweiler:

Das Spritzenhaus macht einen verwahrlosten Eindruck. Die Mauern und das Tor sind verschmutzt und von Spinnweben überzogen. Traufbreteter und Schalung des vorspringenden Dachteiles fehlen bzw. sind verfault. Verschiedene Dachsparren sind morsch, da eine Anzahl Dachziegel fehlt oder beschädigt ist. An der Wetterseite vor allem ist der Putz abgefallen. Der Eindruck des Innenraumes ist nicht besser. Auch hier ist seit längerer Zeit kein Besen und kein Wasser verwendet worden. Die Geräte sind verstaubt. Helme und Lampen sind unordentlich aufbewahrt und bedürfen ebenfalls einer Reinigung.

Die el. Lampe brennt nicht da die Leitung abgeklemmt ist. Der durch den Ort führende Bach müsste einer Bachbettreinigung unterzogen werden. Das Gefälle im unteren Teil des Bachlaufes ist zu gering und der Durchflussquerschnitt zu klein. Die sich bildenden Tümpel und das Einlaufenslassen von Jauche in das Bachbett verursachen einen üblichen Geruch, sind unhygienisch und Brutstätten für Seuchen und Epidemien. Im Februar dieses Jahres war dem Bürgermeister anlässlich einer Besichtigung mit dem Pfälzischen Kultur- und Wasserbauamt

Herrn Masche der Vorschlag der Regulierung gemacht worden. Die Gemeinde sollte mit den Anliegern zu einer Verständigung bezüglich der Grundabtretung für den neuen Bachlauf kommen. Der Ortsbürgermeister erklärte, er habe eine Einigung nicht herbeiführen können und  habe das Strassen- und Flussbauamt davon verständigt. Er wurde darüber aufgeklärt, dass mit diesen Fragen diese Behörden nichts zu tun haben. Wenn er nicht in der Lage ist eine Vereinbarung herbei zu führen, so ist sein Dienstweg über das Landratsamt. Das Bürgermeisteramt wurde heute nochmals in diesem Sinne verständigt. (6.7.49). Voraussichtlich muss Zwangsenteignung durchgeführt werden. Der Gemeinde ist die Auflage zumachen, dass sie bei dem Landwirt Emil Fehrentz veranlasst, dass er seine Jauchegrube in Ordnung  bringt, damit die Jauche nicht mehr über die Strasse läuft und in das Bachbett. Als Termin zur Meldung ist der 1.9.49 festzulegen. Das Schulgebäude befindet. sich außerhalb des Ortes. Der Weg für die Schulkinder ist besonders in der kalten Jahreszeit nicht gesundheitsfördernd. Die Gemeinde trägt sich mit dem Gedanken, das im Ort befindliche alte Gebäude wieder in Benützung zu nehmen.

Die Instandsetzungskosten sind jedoch zu hoch. Es wurde ihr vorgeschlagen, das alte und neue Schulhaus, sowie das Wohnhaus des Lehrers zu veräußern und innerhalb des Ortes ein neues Schulgebäude zu errichten, in dem außer 2 Klassenzimmern auch 2 Wohnungen für die Lehrkörper enthalten sind.

Die Friedhofsanlagen sind in Ordnung. Mit der vorgesehenen Erweiterung besteht Einverständnis.

Aufgestellt Kusel, den 6.7.49'

 

Die Separatisten in Welchweiler

In einem Zeitungsartikel vom 18. am Dezember 1933 wurde folgende Begebenheit in Welchweiler geschildert. Separatisten waren in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg diejenigen, die für die verhassten Franzosen arbeiteten

Der propagandistische Text wurde in einen etwas sachlicheren Bericht umgewandelt:

Es begab sich zufällig, dass an einem Tag kurz vor Weihnachten 1923 die Beendigung der Holzfällung auf den Tag viel, als von den Separatisten im Auftrag der "Hohen autonomen Regierung" Lebensmittel für die bedürftige städtische Bevölkerung in Welchweiler gesammelt wurde.

 In Welchweiler gab es damals die Sitte, am letzten Tag der Holzfällung gemeinschaftlich einen "Schoppen" im Wald zu trinken, so wurde dieser alte Brauch auch bei der Holzfällung 1923 eingehalten. Drei bis vier Holzfäller, darunter auch die Musiker Ernst Ruth und Karl Rihlmann, begaben sich in die Gastwirtschaft Drumm, wo sie die Separatisten, die den Tag über gesammelt hatten, antrafen. Aus irgendeinem Grund entstand zwischen den einheimischen Gästen und den anwesenden Separatisten ein Wortwechsel, der in eine wüste Schlägerei ausartete. Die Separatisten erhielten  bei dieser Schlägerei eine Abreibung, so schwere Schläge, "wie ihnen bis dahin in solcher Härte noch sicher unbekannt war". Was nun von diesen "zivilisierten Kulturträgern" zu erwarten war, traf ein: Einer von ihnen verständigte nach Beendigung der Schlägerei die separatistische Leitung in Kaiserslautern. Schon am nächsten Tag nach der Schlägerei, kurz vor 8:00 Uhr, kamen zwei mit Separatisten beladene Autos nach Welchweiler. In der Mitte des Dorfes am Schulenhaus angekommen, entstiegen die mit allerlei Waffen versehenen Separatisten, es waren zirka 15 bis 18, den Autos und stürmten mit ihren Waffen in der Hand zum Haus des Musikers Rihlmann (der auch Polizei-und Gemeindediener war). Als sie von den Hausbewohnern und anderen erfahren hatten, dass Rihlmann und ein großer Teil der Bevölkerung in einem Wald bei Altenglan mit Auslichten beschäftigt waren, begaben sie sich nach der Durchführung einer Razzia zu den Gesuchten mit dem Auto in den genannten Wald. An dem entsprechenden Waldweg angekommen, entstiegen sie den Autos und gingen im Sturm auf die dort Beschäftigten zu. Als sie im Wald ankamen, wurden die Waldarbeiter aufgefordert, ihre Schneidewerkzeuge abzulegen. Ein Widerstand der Waldarbeiter gegen die Separatisten war nach den gegebenen Umständen unmöglich und hätte nur auf Seiten der Bevölkerung Opfer gekostet. Die Separatisten waren wohl der Zahl nach weniger, aber sie waren bewaffnet und man verzichtete auf Gewalt gegen Gewalt. Nach der Entwaffnung der Holzfäller wurden viele von ihnen an Ort und Stelle von den Separatisten misshandelt. Anschließend musste die ganze Mannschaft in einer Kolonne den Heimweg antreten und wurde in die Gastwirtschaft geführt. Dort wurde die Rihlmann und Ruth, die an der Schlägerei gegen die Separatisten zwei Tage vorher beteiligt waren, einzeln über die Tische gelegt und mit allerlei Gegenständen geschlagen. Mit verbundenem Kopf musste Polizeidiener Brehl, zusammen mit dem Lehrer und einem Separatisten ein " vaterlandsverräterisches Geprämbel" (wörtlich) im ganzen Ort ausschellen. Die Verkündung des Wortlauts musste der Lehrer vornehmen. Es wurde dabei die Verhängung des Ausnahmezustands über Welchweiler bekannt geben und die Bevölkerung vor Unbesonnenheiten gewarnt. Anschließend wurde der Gemeinde Welchweiler für Repressalien eine Sanktionsstrafe von 12.000 Franken aufdiktiert. Die Gemeinde konnte diesen Betrag nicht aufbringen, also mussten Rihlmann und Ruth für die Aufbringung des Geldes sorgen. Beschwerden und Proteste halfen nichts, denn die Gerichtsbarkeit war ebenfalls in der Hand der Separatisten.

 Ruth wurde schließlich von den Separatisten mit nach Kaiserslautern genommen. Er ist später als junger Mann an den Folgen dieser Misshandlung gestorben.

Fritz Wentz aus Welchweiler der „letzte Schnorrant"

Der weltweite Erfolg der Westricher Wandermusikanten ist auf Burg Lichtenberg in einem eigenen Museum dokumentiert. Das Phänomen der durch aller Herren Länder ziehenden Musiker aus der Westpfalz wurde vielfach untersucht, der Lebensweg der Meister nachgezeichnet, die Stätten ihrer Triumphe ermittelt. Die Wandermusikanten aus dem Westrich waren vor einem Jahrhundert in aller Welt ein Begriff, Garanten für gute und mitreißende Musik.

Die berühmtesten unter ihnen - etwa Rudolf Mersy, Daniel Kuntz, Georg Drumm oder Hubert Kilian - erlangten in der Fremde soviel Ruhm, dass sie zu Reichtum und Ansehen kamen und gar nicht mehr in die Heimat zurückkehrten. Andere kehrten von ihren Weltreisen als wohlhabende Männer zurück. Dieser triumphale Erfolg der Westricher Wandermusikanten währte jedoch nur begrenzt.

Die ganze Welt hatten sie bereist, überall die Menschen mit ihrer Kunst erfreut und dafür gutes Geld bekommen. Der Erste Weltkrieg unterbrach diesen Höhenflug zunächst, da viele Westricher Musiker dort, wo sie sich bei Kriegsausbruch gerade aufhielten, interniert wurden. Der endgültige Niedergang kam kurz danach: Kino und Rundfunk ließen das Interesse des Publikums an den eben noch so erfolgreichen Musikanten rasch erlahmen. Die Einnahmen der zuvor so gut verdienenden Weltenbummler aus der Westpfalz gingen mehr und mehr zurück. Immer weniger machten sich überhaupt noch auf die beschwerliche Reise ins Ausland, andere gaben den Musikantenberuf ganz auf. Das traurige Ende des Wandermusikantentums wird im Museum auf Burg Lichtenberg durch ein Foto des „letzten Schnorranten" illustriert, der bis zu seinem Lebensende als Straßen- und Kirmesmusikant durch die Dörfer seiner Heimat zog.

Der „letzte Schnorrant", das war Fritz Wentz aus Welchweiler. Auch er hatte die große Zeit der Wandermusikanten noch miterlebt und als Klarinettist viele fremde Länder kennengelernt. Als die erfolgreichen Jahre der Auslandsauftritte vorbei waren, blieb er dem Musikantenberuf treu. Er trat als Alleinunterhalter bei Familienfeiern, Festen und Kerwen auf. Soviel Geld, wie er einst während der Reisen verdient hatte, brachte ihm diese Tätigkeit bei weitem nicht ein. Zusammen mit seiner Schwägerin lebte Fritz Wentz in einem kleinen Häuschen in Welchweiler, das schon lange nicht mehr steht. So ist die Erinnerung an den Letztem vom Schlage der Westricher Wandermusikanten inzwischen verblasst. Geblieben ist ein vergilbtes, trauriges Bild vom „Welchwillerer Männche", wie er im zerlumpten Lodenmantel an einer Straßenecke steht und Klarinette spielt. Als „letzter Schnorrant" machte der alte Mann seine Runde durch die Dörfer um den Herrmannsberg und Kusel auf. Er markiert das Ende des Westpfälzer Wandermusikantentums - ein trauriges Ende, das zu ihren Erfolg im krassen Gegensatz steht.

 

 

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Welchweiler  | michael@welchweiler.com